Wiesenpieper auf seinem Aussichtspunkt, Foto: O. Olejnik
Brachvogel, Kiebitz und auch Braunkehlchen stehen in der öffentlichen Wahrnehmung, nicht nur bei Naturfreunden, als Narrative für den jahrzehntelangen Rückgang und in Folge auch das Verschwinden Wiesenvogelgemeinschaften im mitteleuropäischen Raum als Resultat umfangreicher landwirtschaftlicher Intensivierungen aber auch für deren Schutz. Im gleichen Maße sind durch diesen Prozess natürlich aber auch andere Arten unserer Fauna verloren gegangen, die aufgrund ihrer unscheinbaren Erscheinung und wenig spektakulären Verhaltens kaum Aufmerksamkeit erregen. Einer dieser Vögel ist der Wiesenpieper.
Obwohl der sperlingsgroße Pieper nicht gerade scheu ist, durchaus auffällig ruft und singt, fällt er dennoch in die Kategorie: unbekannter kleiner, grauer Vogel…
Der Wiesenpieper gehört zu den Alteingesessenen unserer Avifauna. Vor 300 Jahren nannten ihn die Gelehrten „Wiesen- Lerche“ und im östlichen Norddeutschland bekam er nach seinem eindringlichen Warnruf „fist…fist…fist“ den mundartlichen Namen „Diester“ beigelegt.
Der Pieper bevorzugt während der Brutzeit strukturreiche, grünlanddominierte Landschaften und siedelt sich bevorzugt auf Wiesen und Weiden an. Während der Zugzeit kann man ihn jedoch auf kahlen Ackerflächen und auch Brachen beobachten. Als Kurzstreckenzieher überwintert er bereits in den von der Nordsee beeinflussten milden Regionen Niedersachsens und den Niederlanden. Eine ganze Reihe von Vögeln hält es aber auch in unserer Region aus, wenn die Temperaturen nicht zu stark sinken und Dauerfrost eintritt. Besonders in den Monaten März und April ziehen Wiesenpieper in größerer Zahl bei uns durch, doch nur noch wenige von ihnen siedeln sich hier zur Fortpflanzung an.
Wie häufig der Wiesenpieper im Landkreis Lüchow-Dannenberg vor einem halben Jahrhundert tatsächlich war, ist schwer zu ergründen. Vor dreißig Jahren aber ermittelten die Mitglieder der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft noch 192 Reviere des Vogels. Davon 93 in der Elbniederung und 50 in der Landgraben und Dumme Niederung. Im letzten Jahr konnten dort noch 13 bzw. sieben Reviere gezählt werden. Auch die zur Jahrtausendwende noch großen Vorkommen (etwa 400 Reviere) im Biosphärenreservat der Niedersächsischen Elbtalaue sind mittlerweile zu kleinsten Resten zusammengeschrumpft.
Im Gegensatz zum recht spät brütenden Braunkehlchen hat der Wiesenpieper in der Phänologie seines Fortpflanzungsgeschäftes eigentlich ganz gute Karten. Er ist zwar auch Bodenbrüter doch er beginnt damit schon ab Mitte April und füttert bereits ab der ersten Maiwoche seine Jungen, die bei den Erstbruten um den 20. dieses Monats auch ihre Flugfähigkeit erreicht haben. Auf Heuwiesen mit Mahdzeitpunkten ab Anfang Juni sollte er eigentlich sicher seinen Nachwuchs aufziehen können. Zudem brüten Wiesenpieper bis zu dreimal im Jahr. Oft werden die Jungen der späten Bruten noch Mitte Juli gefüttert.
Der Wiesenpieper benötigt zu seiner Ansiedlung jedoch nicht „irgendein“ relativ spät bewirtschaftetes Grünland. Diese Wiesen und Weiden sollten zudem auch weitgehend frei von Büschen und Bäumen sein. Gehölze erzeugen für den Vogel in noch stärkerem Maße als etwa bei der Feldlerche eine Barrierewirkung, welche an sich günstig erscheinende Habitate für den Vogel untauglich machen. Aus diesem Grunde kann die Entnahme von Gehölzen auf manchen ansonsten geeignet erscheinenden Flächen neuen Lebensraum für den Wiesenpieper schaffen.
Die Ökologische Station Wendland-Drawehn möchte in den nächsten Jahren in einigen Gebieten der Landgraben und Dumme Niederung solche Maßnahmen zur Förderung des Wiesenpiepers und auch des Braunkehlchens sowie der Bekassine umsetzen. Hierbei handelt es sich prinzipiell um Pflegearbeiten in der Landschaft, die seit der Jahrtausendwende nur noch im geringen Umfang durchgeführt und teilweise auch ganz unterlassen wurden. Dieses hatte eine zunehmende Verbuschung einiger Landschaftsbereiche zur Folge. Wie die Erfahrungen in der nördlichen Altmark bei Salzwedel am Grünen Band gezeigt haben, reagieren die genannten Vögel recht rasch und zuverlässig auf diese Aktivitäten.