Frisch-flügger Kiebitz. Foto: Stella Klasan
Über das Ende der diesjährigen Wiesenbrütersaison berichtet der Landkreis Lüchow-Dannenberg auf seiner Homepage mit folgender Pressemitteilung:
“Arten wie Kiebitz und Großer Brachvogel bevorzugen für ihr Bodengelege und die Küken-Aufzucht insbesondere nasse Ackerflächen oder Feuchtgrünland. Wiesenvögel sind Bodenbrüter. Sie legen ihre Nester in flachen Mulden auf kurzer Vegetation an. Elementar für den Schutz der Wiesenvögel ist deshalb die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz.
Neben einem naturschutzfachlichen Prädationsmanagement durch zielgerichtete Raubwildbejagung beauftragt die Naturschutzbehörde des Landkreises jährlich vogelkundliche Fachkräfte mit der Kartierung der Neststandorte sowie deren Betreuung bis zum flügge werden der Küken. Durch die Kenntnis der Brutflächen kann die direkte Kontaktaufnahme mit den betreffenden Flächenbewirtschaftern rechtzeitig erfolgen, um Schutzmaßnahmen erfolgreich zum Einsatz zu bringen. Dies erfolgt in enger Abstimmung mit der Naturschutzbehörde und der Landwirtschaftskammer. Die Brutvogelkartierung dient auch als Grundlage für den finanziellen Ausgleich der Bewirtschaftungseinschränkungen durch brütende Wiesenvögel und deren Küken Aufzucht.
142 Kiebitz-Brutpaare
In diesem Jahr hat die Naturschutzbehörde den „BUND Zweckbetrieb Wendland“ mit der Wiesenvogelkartierung und Betreuung der Brutflächen (außerhalb des Gebietsteils C des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue) beauftragt. Die Kosten der Kartier-Arbeiten und der finanzielle Ausgleich für die Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen werden aus Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert. Laut den aktuellen Kartier-Ergebnissen der Brutsaison 2026 sind in der Kulisse 142 Kiebitz-Brutpaare festgestellt worden, von denen etwa 90 Gelege Schlupferfolg hatten. Im Bereich mit aktivem Prädationsmanagement war der Schlupferfolg hierbei fast doppelt so hoch, wie im übrigen Landkreis.
Wenige Stunden nach dem Schlüpfen verlassen die erdfarbenen Küken das Nest, halten sich jedoch in den ersten Lebenswochen in unmittelbarer Nähe der Eltern auf, die sie zum Futter führen und vor Witterungseinflüssen schützen. Ertönt ein Warnruf der Eltern, ducken sich die Küken flach auf den Boden, wodurch sie perfekt getarnt sind. Erst bei Entwarnung beginnen sie wieder, sich zu bewegen. Die jungen Kiebitze sind im Alter von 35-40 Tagen flugfähig.
Der Kiebitz ist wohl der auffälligste Bodenbrüter in Lüchow-Dannenberg. Seine akrobatischen Flugkünste, sein auffälliger Federschopf, die sogenannte ‚Holle‘, und seine markanten Rufe machen ihn leicht erkennbar und zu einem Symbol für den Schutz von Feuchtgebieten und Agrarlandschaften. Leider zählt er mittlerweile zu den am stärksten rückläufigen Wiesenvogelarten Mitteleuropas. In den vergangenen Jahrzehnten sind seine Bestände in Nordwestdeutschland – einem seiner wichtigsten Brutgebiete – dramatisch eingebrochen. In der Roten Liste der Brutvögel Niedersachsens und Bremens ist der Kiebitz als „gefährdet“ eingestuft.
Wiesenvogelschutz
Agrarumweltmaßnahmen wie z.B. die „Anlage von Feldvogelinseln“ auf Ackerflächen sollen diesem Negativtrend entgegenwirken. Auf Grünland erfolgt die Agrarförderung über die Niedersächsische Wiesenvogelschutzrichtlinie. Auch das Ersatzgeld der Naturschutzbehörde kommt für den Wiesenvogelschutz zum Einsatz. „Die verschiedenen Wiesenvogelschutzmaßnahmen dienen auch dem Schutz vieler weiterer bedrohter Tier- und Pflanzenarten und fördern die Biodiversität in der Agrarlandschaft“ betont Dorothée Rößler, Leiterin der unteren Naturschutzbehörde. Sie lobt die konstruktive Zusammenarbeit und die hohe Einsatzbereitschaft aller Akteure für einen gelingenden Wiesenvogelschutz in Lüchow-Dannenberg.”