Die Rote Röhrenspinne (hier ein Männchen) profitiert von offenen Sandflächen (Foto: M. Dankelmann)
Bei einem Spaziergang im August durch die Nemitzer Heide lässt sich mit etwas Glück der Eisenfarbige Samtfalter (Hipparchia statilinus) entdecken. Der Tagfalter ist nicht nur sehr selten und kommt in Niedersachsen ausschließlich in der Nemitzer Heide vor, er passt sich auch farblich perfekt an den Boden an. Bestens getarnt tankt er auf Sandwegen und Baumstämmen Sonne. Auffallender ist er, wenn er an den Heideblüten nach Nektar sucht.
Seine Raupe dagegen ernähren sich von Silbergras, einer Pionierart trocken-sandiger Standorte. In den Silbergrasbüscheln verbringt sie auch die Wintermonate. Zur Verpuppung sucht die Raupe dann offene, völlig vegetationsfreie Sandflächen auf, in die sie sich in die oberste Sandschicht eingraben kann. Ist der Boden zu stark bewachsen oder hat sich eine dichte Moosschicht auf den sandigen Flächen ausgebreitet, findet der Eisenfarbige Samtfalter keine Möglichkeit, sich zu verpuppen.
Um die Lebensraum-Bedingungen für die Schmetterlingsart zu optimieren, wurden Ende Juli kleinräumig Silbergrasbestände gefräst. Es wurden dabei solche Standorte ausgewählt, die schon von Moosen, darunter dem invasiven Kaktusmoos, bewachsen waren und kaum noch offene Sandstellen zeigten. Ziel der Maßnahme ist, offen-sandige Pionierstandorte wiederherzustellen und einen kleinräumigen Wechsel verschiedener Vegetationssstadien zu schaffen. Der Zeitraum wurde so gewählt, dass die Eiablage der Falter an das Silbergras noch nicht stattgefunden hat, so dass eine Gefährdung durch das Fräsen vermieden wird. Durchgeführt wurden die Arbeiten mit Mitarbeitern des Naturpark Elbe.Wendland und geplant von der Ökologische Station Wendland-Drawehn.
Auch viele andere Arten sind auf vegetationsfreie und sandige Flächen angewiesen. Typisch für vegetationsarme Sandflächen sind z.B. die Blauflügelige Ödlandschrecke, verschiedene Sandbienen oder die stark gefährdete Rote Röhrenspinne, deren Weibchen in ca. 5-10 cm tiefen Erdröhren sitzen. Die Larven des Ameisenlöwen bauen ihre Krater zum Beutefang in den Sand. Wiedehopfe suchen auf den Sandflächen gern nach Nahrung.
Sie alle profitieren von der durchgeführten Maßnahme.