Ein Dünen-Sandlaufkäfer in der Sandkuhle Güstritz-Satemin (Foto: St. Klasan)
Es gibt Tier- und Pflanzenarten, welche besonders trockene, warme und nähstoffarme Biotope besiedeln. In unserer (Kultur-)Landschaft finden sich solcherlei Lebensräume beispielsweise auf Binnendünen, in Heidegebieten, auf Truppenübungsplätzen oder aber in Sand- und Kiesgruben. Werden diese Sand- oder Kiesgruben aus der Nutzung genommen, verbuschen sie meist binnen weniger Jahre. Die absolute Artenanzahl steigt dabei oft (zumindest kurzzeitig) an - jedoch handelt es sich hierbei in der Regel um kommune Arten mit einem großen Anpassungsvermögen und breiter Habitattoleranz. Hochspezialisierte Arten, welche für diese Gebiete charakteristisch waren und oft auf der Roten Liste stehen, werden durch die konkurrenzstärkeren Arten verdrängt oder können nicht mit den neuen Lebensbedingungen wie Schatten oder Nähstoffeinträgen leben - das gesamte Habitat verliert damit, ökologisch gesehen, an Wert. Zusätzlich zum tatsächlichen Habitatverlust für viele Arten ginge zudem ein wichtiger Trittstein im Biotopverbund verloren.
Die Sandkuhle Güstritz, etwa zwei Kilometer südwestlich der Kreisstadt Lüchow gelegen, beherbergt neben einer Uferschwalbenkolonie (Riparia riparia) an der Steilwand des aktiv genutzten Teils auch Arten wie Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida), Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) und zahlreiche Solitärbienenarten sowie botanische Besonderheiten wie Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), Berg-Sandglöckchen (Jasione montana), Filzkraut (Filago spec.) und Silbergras (Corynephorus canescens).
Der westliche Teil der Grube wurde bereits vor einigen Jahrzehnten aus der Nutzung genommen und gemäß „Renaturierungsplan“ der freien Sukzession überlassen. Hier entwickelten sich Gehölze wie Kiefern, Pappeln und Birken, welche die Fläche mehr und mehr beschatten und durch ihren Laubfall Nähstoffe eintragen. Für Arten, welche nähstoffarme, trocken-warme Habitate benötigen, verlieren sie so an Attraktivität und die selteneren Arten verschwinden Stück für Stück.
Im Dezember 2025 wurde daher ein verbuschender Teilbereich dieser Sandgrube von Gehölzen freigestellt und so geöffnet. Zudem wurde die Grasnarbe an Teilen gestört, kleine, südexponierte Kanten an- und Rohboden freigelegt.
Die nächsten Sandkuhlen befinden sich in Entfernungen von mindestens sechs Kilometern Luftlinie zu Güstritz bzw. elf Kilometern zueinander. Die hier erfolgte teilweise Freistellung der Fläche sichert also auch den Trittstein im Biotopverbund.
Durch diese kleine Maßnahme konnte ein Stück Lebensraum für die oben erwähnten, seltenen Tier- und Pflanzenarten zurückgewonnen werden!
Wir sind gespannt, wie sich die Fläche nun entwickelt und freuen uns auf eine neuerliche Bestandserfassung in den Frühjahrs- und Sommermonaten!
Blick in die stillgelegte Sandkuhle im Herbst 2025 - Kiefern, Eichen, Birken und Pappeln beschatten die Fläche und tragen mit ihrem Laubeintrag zur Nährstoffanreicherung bei. (Foto: St. Klasan)
Gleicher Blick im Dezember 2025 nach dem Eingriff. Die südexponierte, abgeflachte Steilwand ist wieder freigestellt und kann besonnt werden. (Foto: St. Klasan)